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Wachstumsbremsen in Softwareunternehmen



Letzte Woche hat mich ein M&A Berater über unsere Erfahrungen in der Softwarebranche befragt. Unter seinen Fragen war auch ein Klassiker "Was raubt den Geschäftsführern von Softwareunternehmen den Schlaf in der Nacht?" Ich entgegnete rasch, dass es meist Wachstumsbremsen sind, welche die Unternehmensführer ausserhalb der Geschäftszeiten bewegen. Mitunter einer der Gründe dafür ist, dass man als Softwareunternehmer meist alleine ist und einem Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Unternehmen fehlen. Wenn der beste Benchmark der eigene Vorjahreswert ist, dann kann einem das Lösen solcher Wachstumsbremsen ziemlich schwer fallen.

Dabei ist das profitable Wachstum eines Softwareunternehmens ein starker Indikator, ob eine Führungskraft Werte schaffen kann oder nicht. Man könnte hier einwenden, dass der Wert eines Softwareunternehmens zu einem grossen Teil durch die wiederkehrenden Einnahmen (z.B. Wartung und Support) bestimmt wird welche das Unternehmen heute generiert. Doch wenn die Firma nicht in die Zukunft wächst, dann werden die wachstumsverhindernden Faktoren (z.B. Produkte welche nicht den Kundenbedürfnissen oder regulatorischen Auflagen entsprechen, ein falscher Vertriebsansatz oder ein dysfunktionaler Entwicklungsleiter welcher die besten Entwickler zur Kündigung treibt) auch die existierende Umsatzbasis gefährden. Ein Nullwachstum in einem Softwareunternehmen bedeutet, dass Arbeitsplätze und Umsatz auf dem Spiel stehen. Keine gute Kombination für einen tiefen Schlaf.  

Gründe für fehlendes Wachstum

Durch das einnzigartige Geschäftsmodell der Volaris Group verfügen wir über vertiefte Einsichten in die Herausforderungen von Softwareunternehmen. Seit unserer Gründung im Jahr 1995 und zusammen mit den anderen fünf operativen Gruppen in unserem Mutterhaus Constellation Software, haben wir mehr als 200 Branchensoftwareunternehmen gekauft. Wir haben gelernt, dass kleine und mittelgrosse Softwareunternehmen häufig mit folgenden drei Herausforderungen konfrontiert sind.

  1. Zu wenig Kapital, um das Wachstum zu finanzieren kombiniert mit der Abneigung Fremdkapital ins Unternehmen zu holen. Ohne zusätzliches Kapital ist das Unternehmen dazu verdammt entsprechend den verfügbaren Cash Flows zu wachsen. Das führt vielfach dazu, dass Fenster für zusätzliches Wachstum verpasst werden und der Marktanteil nicht ausgebaut werden kann.
  2. Verzettelung der Managementressourcen durch administrative und organisationale Themen (z.B. Einführung eines neuen ERP-Systems) die entstehen, wenn die Firma wächst. Dadurch entstehen Situationen in denen sich der Geschäftsführer um operative Fragestellungen kümmern muss, während es für das Wachstum sinnvoller wäre, wenn sich die Führungskräfte um neue Kunden oder eine Wachstumsstrategie bemühen würden.
  3. Schwäche in der Wertschöpfungskette welche das zukünftige Wachstum ausbremst. Dies sind häufig Probleme die der Geschäftsführung bekannt sind jedoch nicht angegangen werden könen oder wollen. 

Unternehmen die in die Volaris Group kommen realizieren nach kurzer Zeit, dass die ersten beiden Probleme rasch verschwinden:

Zu (1): Volaris unterstützt die Managementteams mit Kapital zur Finanzierung von Wachstumsinitiativen wi z.B. die Entwicklung von Add-On Produkten für die existierende Kundenbasis. Ein Beispiel dafür ist Gallery Systems, ein Volaris Unternehmen das ERP Software für Museen und Kunstsammlungen anbietet. Gallery Systems hat mit der Hilfe von Volaris eine Vielzahl von Zusatzprodukten entwickelt und diese an seine über 800 Kunden verkauft. Zusätzlich stellt Volaris den gekauften Unternehmen auch das Kapital zur Verfügung, so dass diese selber Akquisitionen tätigen können, um Marktanteile zu gewinnen oder Ihre Produktportfolio auszubauen. So hat beispielsweise Trapeze welche Lösungen für öffentliche Transportunternehmungen anbietet über die Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen und so seine Grösse mehrere Male multipliziert. 

Zu (2): Volaris Unternehmen profitierten von zentralisierten HR und Finanzsystemen. Ausserdem können sie (optional) auch andere Systeme wie CRM oder digitales Marketing nutzen oder aber die gewohnten Systeme weiter verwenen.

Zu (3) Wachstumsbremsen sind häufig in die Wertschöpfungskette eingebettet

Der dritte Punkte in obiger Aufzählung ist am interessantesten. Wenn man die typische Wertschöpfungskette eines Softwareunternehmens betrachtet, dann sind man viele Bereiche die entweder dazu genutzt werden können Differenzierungsmerkmale zu schaffen und Stärken zu entwickeln oder die als Wachstumsbremsen wirken können.

Grafik 1: Wertschöpfungskette eines Softwareunternehmens, Quelle: TBK Consult

Betrachtet man zum Beispiel den "Planning and Production" Teil in der linken oberen Ecke von Grafik 1, dann sieht man eine Reihe von Themen welche die Wachstumsfähigkeit beeinflussen:

  • Wie wird die Entwicklung von neuen Produkten angegangen?
  • Welches ist das kommerzielle Modell für den Verkauf oder die Vermietung der Software?
  • Verfolgt das Unternehmen eine Internationalisierungsstrategie? Was wird unternommen, um diese Strategie zu unterstützen?
  • Welche Formen von digitalem Marketing werden eingesetzt und sind diese Teil eines standardisierten Vertriebsprozesses?

Wenn man nun die Wertschöpfungskette weiter verfolgt, kommt man zu weiteren Bereichen wie Vertrieb (z.B. wie stellt man eine genügende Abdeckung (Coverage) des Marktes sicher? Wieviele Channel-Partner werden benötigt und wie unterstützt man sie am besten?), Implementierung (z.B. was muss man vorkehren, so dass Consuting Projekte termintreu durchgeführt werden können?) oder Wartung und Support. Alle diese Bereiche sind hochgradig relevant für die Unterstützung, die Beschleunigung oder dem Ausbremsen von Wachstum.

Über die Jahre hat die Volaris Group ein immenses Wissen darüber angesammelt, wie man die Wertschöpfungsketten von Branchensoftwareunternehmen am besten entwickelt. Wir wissen was funktionniert und was nicht. Wie aber teilen wir dieses Wissen welches in jeder unserer Softwareperlen steckt? Wie machen wir das in einer überaus schlanken Organisationsstruktur? Wie bringen wir dutzende von kleinen und unabhängigen Unternehmen dazu zu kooperieren und sich gegenseitig zu helfen? Wie machen wir aus vielen Schiffen eine schlagkräftige Flotte?

Wie teilen wir wissen, um Wachstum zu entfesseln?

Es führen viele Wege nach Rom und so haben wir auch viele Plattformen, um innerhalb Volaris Wissen zu teilen wie z.B. vierteljährliche Strategietreffen, Summits, Communities und ein einzigartiges Talententwicklungs- und Führungssystem.

Die Strategietreffen finden vierteljährlich an unterschiedlichen Orten statt und bringen die Geschäftsführer der gesamten Gruppe zusammen. Einerseits werden über die aktuellen Zahlen diskutiert und versucht gemeinsam Lösungen für Herausforderungen zu finden. Andererseits können die Geschäftsführer auch Best Practices teilen die sich in Ihrem Betrieb bewährt haben. Zusätzlich haben wir eine Strategieabteilung die über alle Unternehmen von Volaris Analysen anstellt wie beispielsweise die Bedingungen welche die Akzeptanz von Preiserhöhungen von Wartung und Support beeinflussen. Diese Strategietreffen sind häufig der Ort wo Verknüpfungen entstehen und der Startpunkt für einen vertiefteren Austausch auf operativer Ebene.

Ich würde mich als einen erfahrenen Vorstand bezeichnen der ein Softwareunternehmen gut führen kann. Ich habe jedoch sehr viel von den anderen Volaris Unternehmen gelernt – und sie von uns.

Jay Hoffmann, CEO Gallery Systems

Summits werden regelmässig für einen funktionalen Bereich durchgeführt. So gibt es den Global HR Summit, einen Summit für professionelle Dienstleistungen, einen Sales & Marketing Summit und einen Summit für die Softwareentwicklung etc. Die Idee ist, dass die Funktionsverantwortlichen der verschiedenen Unternehmen zusammen kommen und voneinander lernen. Zusätzlich sind diese Summits eine gute Plattform, um neue Ideen zu diskutieren und zukünftige Entwicklungen zu entscheiden. Da die Summits einen signifikanten Einsatz von Ressourcen benötigen, gibt es ein dediziertes Team welches die Summits auf eine professionelle Weise organisiert und vorbereitet. 

ourVolaris ist das Intranet das allen Volaris Unternehmen zur Verfügung steht und die Heimat für die sogenannten "Communities" darstellt. Es basiert auf Sharepoint und bietet klassische Intranet-Funktionen wie Zugang zu zentralen Ressourcen wie HR, IT, Rechtsdienste sowie auch Möglichkeiten zur Kollaboration wie Gruppenarbeit an einem Dokument etc. Ausserdem bietet es jeder der rund 40 Volaris Unternehmen einen eigenen Bereich für das Teilen von Neuigkeiten und Informationen. Der interessante Teil von ourVolaris ist jedoch die Communities Sektion. Das sind viele funktionale Gruppen die von Mitgliedern über alle Volaris Unternehmen hinweg besucht und betrieben werden. So kann beispielsweise eine HR-Mitarbeiterin nach einem Template für einen Arbeitsvertrag in einem Land fragen wo ihr Unternehmen zwar noch keine Präsenz hat, jedoch ein anderes Unternehmen durchaus. 

Es gäbe noch viele weitere Dinge aufzuzähen die Volaris Group für Branchensoftwareunternehmen interessant und einzigartig machen. Dies alles anzubieten ist nicht immer einfach. Es benötigt Diszipli, Effort und kostet. Aber dies ist in Ordnung, weil es mithilft, dass unsere Unternehmen weiter wachsen – jedes Jahr zwischen 8-12% und auf eine nachhaltige Art und Weise.